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21st Century Romanticism

Fotografie Gesellschaft Philosophie Natur

Sebastian Jakl 12. Mai 2015

Die Zeiten ändern sich. 

Joseph von Eichendorffs „Taugenichts“ (aus seiner Novelle „Aus dem Leben eines Taugenichts“, 1826) schwärmte zeilenweise von den damals (wohlhabenden Gesellschaftsschichten vorbehaltenen) ungewohnt schnellen Kutschfahrten: „… wir flogen über die glänzende Straße fort, daß mir der Wind am Hute pfiff. …“ – und das Lyrische Ich in Reinhard Meys Song „Über den Wolken“ sinnierte romantisch-verklärt über das Potential eines Fluges. Beiden Autoren ging es um das Erlebnis im Sich-Fortbewegen selbst – das Ziel der Reisen war völlig irrelevant. Heute ist das Boarding eines Flugzeuges beinahe so selbstverständlich wie die tägliche U-Bahn-Fahrt, und Fortbewegung dient vor allem dem Zweck, möglichst schnell von A nach B zu gelangen – wir verlieren den Weg beim „Run“ auf das Ziel.

Auch wenn die Erlebnisse eigentlich erst nach dem Ankommen an der Wunschdestination beginnen sollen, ist die wolkenfreie Sicht auf die Welt aus einem fliegenden Flugzeug faszinierend und kann den apriorischen Erlebnisplan vorzeitig erweitern. Der hyper-erhabene Ausblick auf das Land, auf dem wir leben und stehen, transportiert den ehrfürchtigen Grundgedanken Meys dann letztlich doch ins Jetzt und Hier: Die Zeitspanne der beobachteten, sich entwickelnden Wahrnehmung in Bezug auf Fortbewegung ist in Anbetracht der Jahrmillionen der Entstehung unseres Lebensraumes wirklich nichtig – und nichtmal mehr klein.

„Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein Alle Ängste, alle Sorgen sagt man blieben darunter verborgen Und dann würde was uns groß und wichtig erscheint plötzlich nichtig und klein“

REINHARD MEY

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"21st Century Romanticism"

Sebastian Kreibich

„21st Century Romanticism“ ist eine Wortschöpfung von Sebastian Kreibich, Co-Writer und Rapper von „Gleichgewicht“ (und vielen weiteren Tracks). Danke, Sepp!

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