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Die subjektiven Farben

der Maria Lassnig

Kunst Kultur Philosophie

Sebastian Jakl 05. Mai 2017

Komplementär-Neon-Gelb

Ausstellung: Maria Lassnig, Zwiegespräche

Dauer
05. Mai bis 27. August 2017
täglich 10 – 18 Uhr
Mittwoch 10 – 21 Uhr

Albertina Museum
www.albertina.at

Bevor in zwei Jahren, zu Maria Lassnigs 100. Geburtstag, eine große Gesamtwerk-Ausstellung Station in der Albertina in Wien macht, gibt es jetzt eine seltene Gelegenheit, zeitgleich die eindrucksvollen Querschnitte durch das zeichnerische Schaffen sowohl der Künstlerin als auch Egon Schieles unter einem Dach zu erleben. Es gibt sehr interessante Parallelen: Bereits an Lassnigs frühen Aquarellen erkennt man den im Expressionismus vertieften Umgang mit der „subjektiven Farbe“ – ein in dieser Epoche wesentliches Prinzip für die Darstellung eigener körperlicher und geistiger Wahrnehmung. Und im Spätwerk: Neongelb! Mit der grellen farbigen Hinterlegung werden ihre Bleistiftzeichnungen unausweichlich.

Meisterhaft geben beide Künstler ihrem Selbstempfinden Ausdruck. Schiele wertete und kritisierte äußere Umstände in einer gewissen Extrovertiertheit, malte seinen Blick auf die Welt genauso wie den Blick des Betrachters auf ihn. Dann spielte er eine Rolle, stellte sich dar, und transportierte so seine Anliegen.

Lassnig dagegen thematisierte ihre eigenen Emotionen als Reaktion auf externe Einflüsse in immer wieder neuen Versuchsanordnungen. Humorvoll und ernst, sehnsuchtsvoll und gnadenlos. Sie ließ die Welt auf sich wirken und brachte währenddessen ihre abstrakte Gefühlswelt, sichtbar gemacht in einem breiten, sehr fein nuancierten Spektrum, zu Papier. Nicht um sich darzustellen, sondern um sich auszudrücken.

Der Dialog, in den sie mit den inneren und äußeren Ebenen tritt, hat, genauso wie ihr künstlerischer Output, eine Konstante, einen Kern: sie selbst. Darum heißt die Ausstellung, abgeleitet vom Titel einer ihrer Zeichnungen, „Zwiegespräche“. Allein, jedes Gesamtschaffen eines Künstlers speist sich aus seinen einzelnen Arbeiten – und umgekehrt erlangt ein einzeln herausgenommenes Sujet nur unter dem Eindruck des Gesamtwerks Bedeutung. Lassnig hat meines Erachtens jedoch nicht einfach viele einzelne „Zwiegespräche“ geführt, sondern sich mit ihrer Empfindsamkeit allen möglichen inneren und äußeren Konfrontationen gestellt, um gesamtheitlich wirken zu können. Ihre Selbstwahrnehmung ist so gründlich verinnerlicht und vielschichtig, dass sie mithilfe einer Vielzahl von eindimensionalen „Zwiegesprächen“ ein wunderbar multidimensionales Schaffensuniversum hervorgebracht hat. Die Ausstellung zeigt dies eindrücklich anhand 80, teils bisher unbekannten Zeichnungen, durch die sich ihr unvergleichliches Konzept der Body-Awareness erschließt.

Skyscraper J Maria Lassnig Ausstellung 6
Skyscraper J Maria Lassnig Ausstellung 1
Skyscraper J Maria Lassnig Ausstellung 8
Skyscraper J Maria Lassnig Albertina 1
Skyscraper J Maria Lassnig Ausstellung 7
Skyscraper J Maria Lassnig Albertina 3
Skyscraper J Maria Lassnig Albertina 4

Bildnachweise

(in der Reihenfolge der Darstellung auf dieser Seite)

Titelbild:
Maria Lassnig 
Gesichtsschichtenlinien

1996 Bleistift, Aquarell
Albertina, Wien
© 2017 Maria Lassnig Stiftung

Maria Lassnig
Greifvogel

2000, Bleistift, Acryl
Albertina, Wien
© 2017 Maria Lassnig Stiftung

Maria Lassnig
Das Erinnern – das ist Liebe

1997, Bleistift, Acryl
Albertina, Wien
© 2017 Maria Lassnig Stiftung

Maria Lassnig
Ohne Titel (Schreiende)

1981, Bleistift, Aquarell
Maria Lassnig Stiftung
© 2017 Maria Lassnig Stiftung
Foto: Roland Krauss

unten:
Maria Lassnig um 1993
Foto: Kurt-Michael Westermann, Maria Lassnig Stiftung

Alle Ausstellungsfotos: Sebastian Jakl, 2017

Skyscraper J Maria Lassnig Portrait

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