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Egon Schiele

Albertina, Wien

Kunst Kultur Philosophie

Sebastian Jakl 21. Februar 2017

Genie

Ausstellung:
Egon Schiele in der Albertina, Wien

Dauer
22. Februar bis 18. Juni 2017
täglich 10 – 18 Uhr
Mittwoch 10 – 21 Uhr

Albertina Museum
www.albertina.at

„Was glaubst du denn, wer du bist?“ Egon Schiele selbst war nicht der kranke Typ, als der er oft wahrgenommen wurde. Auch wenn das Elend, die Miserabilität und die Verletzbarkeit des Menschen eines der zentralen Themen in seinem Werk sind, verstand sich Schiele als Moralist und Weltenheiler. Er schlüpfte in Rollen, um sich und sein Anliegen zu thematisieren: seine bittere Armut genauso wie seinen Stolz – theatralisch inszeniert als Kritik gegen den Luxus der Gesellschaft im Wiener Fin du Siecle. In manchem Selbstbildnis „äugelt“ er: mit einem Finger am Augenlid ziehend betont er das Auge und gibt mit dieser Geste zu verstehen: „Das sehe ich wohl!“, oder: „Ich durchschaue euch!“

Skyscraper J Egon Schiele Albertina 6
Skyscraper J Egon Schiele Albertina Press 03
Skyscraper J Egon Schiele Albertina Press 04

Ein Phantast des Grausigen und Entsetzlichen?

Die Wiener Abendpost schrieb anlässlich einer Ausstellungseröffnung am 11. März 1918: „Schiele ist ein Phantast des Grausigen und Entsetzlichen. Dabei lebt er im Dekorativen und Flächenschmückenden des Jugendstils.“ Diese hier festgehaltene Diskrepanz macht sein Werk meiner Meinung nach wesentlich spannender als jenes seines Zeitgenossen Gustav Klimt. Und doch ist diese Feststellung viel zu eindimensional in Anbetracht des genialen Werkes. Zudem – auch wenn das Werk dieses Künstlers damals wie heute als „radikal“ empfunden werden kann – ist die Charakterisierung Schieles als Phantast des Grausigen und Entsetzlichen schlicht falsch: Einerseits lässt die Abwesenheit des gemeinhin als „schön“ Klassifiziertem noch lange nicht dessen Umkehrschluss zu. Denn gerade diese Anwesenheit des Abwesenden ist so stilprägend, zum Beispiel in dem Moment, in dem Schiele den Dargestellten in seinen Bildern den Hintergrund und damit den eindeutigen Kontext entzieht. Andererseits empfinde ich die direkte, unverkitschte Sicht auf die konzepttransportierenden Körper und Dinge als wohltuend aufrichtig und – sowohl in einer Masse der „hübschen Künste“ als auch ganz für sich betrachtet – schön!

Skyscraper J Egon Schiele Albertina 9
Skyscraper J Egon Schiele Albertina Press 07
Skyscraper J Egon Schiele Albertina Press 06
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Freier Fall

Durch die räumliche Isolierung der Dargestellten wird der Hintergrund und damit der Kontext der Figuren aufgelöst. Es wird keine alltägliche Handlung begründet, das Modell nimmt seine Stellung nur zum Zweck des Betrachtet-Werdens ein. Damit wird der Betrachter zum Thema gemacht, der Horizont der Interpretation wird geöffnet, die Motive sind schwerelos, im freien Fall.

Skyscraper J Egon Schiele Albertina Press 02
Skyscraper J Egon Schiele Albertina Press 01
Skyscraper J Egon Schiele Albertina 8

Egon Schiele in der Albertina Wien

Als Auftakt zum Gedenkjahr 2018 zeigt die Albertina bereits jetzt 160 der schönsten Gouachen und Zeichnungen des jung gestorbenen Künstlers, die eindrucksvoll einen Querschnitt durch sein radikales Œuvre in einer zwischen Moderne und Tradition gespaltenen Epoche präsentiert.

Skyscraper J Egon Schiele Albertina 5
Skyscraper J Egon Schiele Albertina 7

Bildnachweise

(in der Reihenfolge der Darstellung auf dieser Seite)

Titelbild:
Egon Schiele
Auf dem Bauch liegender weiblicher Akt, 1917

Schwarze Kreide, Deckfarben auf Japanpapier
Albertina, Wien

Egon Schiele
Selbstportrait mit Pfauenweste, 1911

Gouache, Tempera, Aquarell und blaue Kreide auf Papier, auf Karton aufgezogen
Ernst Ploil, Wien

Anton Josef Trcka
Egon Schiele, 1914

Bromöldruck auf Untersatzkarton
Albertina, Wien

Egon Schiele
Weibliches Liebespaar, 1915

Deckfarben, Bleistift
Albertina, Wien

Egon Schiele
Zwei Freundinnen, 1915

Bleistift, Aquarell, Gouache
Szepmüveszeti Muzeum, Budapest

Egon Schiele
Kind mit Nimbus auf einer Blumenwiese, um 1909

Bleistift, Tusche laviert, auf Zeichenpapier
Albertina, Wien

Egon Schiele
Selbstbildnis in oranger Jacke, 1913

Bleistift, Aquarell, Deckfarben auf Japanpapier
Albertina, Wien

Egon Schiele
Frauenakt mit grüner Haube, 1914

Bleistift, Aquarell, Deckfarben auf Japanpapier
Albertina, Wien

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